Zur Navigation
Zum Inhalt
Bürger Service Zulassung Link
Wir für Sie

Landratsamt Oberallgäu

Oberallgäuer Platz 2 • 87527 Sonthofen

Telefon Symbol

(0 83 21) 6 12 - 0

Fax Symbol

(0 83 21) 6 12 - 369

Zeiten Symbol

Öffnungszeiten

gruenten_header
  • Schrift klein
  • Schrift mittel
  • Schrift groß

Rindertuberkulose im Oberallgäu

Reihenuntersuchungen aller Rinderbestände im Landkreis

Die Tbc-Bekämpfung ist eine wichtige Maßnahme zur Gesunderhaltung der Tierbestände und zur Sicherung des Verbrauchervertrauens. Seit Ende des Jahres 2012 führt das Landratsamt Oberallgäu Reihenuntersuchungen aller Rinderbestände im Landkreis durch, um mögliche Ursachen von bis dahin bei der Schlachtung entdeckten Fällen der Rindertuberkulose (Tbc) und Zusammenhänge mit Fällen beim Rotwild aufzuklären. Durch die jahrelange Bekämpfung der Rindertuberkulose hat Deutschland seit 1997 den Status "anerkannt frei von Rindertuberkulose", auch wenn bundesweit seither immer wieder einzelne Fälle auftreten. Die bis dahin üblichen Reihenuntersuchungen wurden damals bundesweit abgeschafft. Ein infiziertes Rind ohne äußere Anzeichen kann deshalb seither nur noch durch die Fleischbeschau beim Schlachten identifiziert werden. Dies ist so auch geschehen in drei Fällen im Jahr 2012 - und das zeigt, dass sich die Tbc schleichend in den Rinderbeständen verbreiten konnte.

Um herauszufinden, wie stark sich bei uns ein etwaiges Tierseuchengeschehen abspielt, ist Ende 2012 die Entscheidung für die Durchführung einer Reihenuntersuchung im Oberallgäu gefallen. Denn nur wenn überhaupt untersucht wird, können infizierte Tiere früh aufgespürt werden - ohne auf Zufallsfunde bei der Schlachtung angewiesen zu sein. Die Tests wurden im Laufe des Jahres 2013 in annähernd allen rinderhaltenden Betrieben im Landkreis und im Bereich der Stadt Kempten (Allgäu) durchgeführt.

Auch in anderen Landkreisen wurde in 2013 TBC festgestellt: 7 Fälle in Baden-Württemberg, 6 Fälle in Niedersachsen und 11 Fälle in anderen Teilen Bayerns. Dennoch liegt mit 25 nachgewiesenen Fällen der Schwerpunkt im Oberallgäu.

Es sind fast immer nur einzelne Tiere betroffen, was nahelegt, dass die Tiere einerseits erfreulicherweise in einem frühen Infektionsstadium aufgespürt werden und sich andererseits offenbar außerhalb des Betriebes infiziert haben. Seit Anfang März 2013 werden die Untersuchungen mit dem "Simultantest" durchgeführt. Der Test wird generell durch den Hoftierarzt durchgeführt, wobei durch Applikation zweier verschiedener Tuberkuline in die Haut nach 72 Stunden anhand der Hautdickenschwellung erkannt werden kann, ob und welcher Tuberkuloseverdacht besteht. Positive Reagenten müssen dem Bestand entnommen werden.

Im Frühjahr 2013 wurde - aufgrund einer Initiative von Landrat a.D. Gebhard Kaiser - die damals geltende Rinder-Tbc-Verordnung geändert. Seither bestehen in vielen Fällen kürzere Sperrfristen als zuvor. Rinder mit "fraglichem" Hauttestergebnis müssen nach der neuen Rechtslage auch nicht mehr zwingend gekeult werden, sondern können oftmals nach einer betriebsbezogenen Einzelfallentscheidung nach 42 Tagen in isolierter Aufstallung nachgetestet werden (ist das Ergebnis des Hauttests aber fraglich und der Verdacht auf Tbc durch das Veterinäramt als begründet bewertet, schließen sich weitere Abklärungsuntersuchungen (PCR, Kultur) nach erfolgter kontrollierter Schlachtung an).

Untersuchungsverfahren nach der Rindertuberkulose-Verordnung vom 14. März 2013

Bei einem "positiven" Hauttestergebnis bleibt nach der nunmehr geltenden Rinder-Tbc-Verordnung aber keine Wahl: das Tier muss in jedem Fall aus dem Bestand entfernt werden. Der Tbc-Verdacht ist dann durch weitere Untersuchungen am toten Tier (PCR, evtl. auch Kultur) abzuklären. Der Verdacht auf Tbc ist unbegründet, wenn die PCR, sowie eine weitere im Abstand von mindestens sechs Wochen nach Abschluss der vorangegangenen Tuberkulinprobe durchgeführte Tuberkulinprobe ein negatives Ergebnis hatten.

Im Falle eines fraglichen Hauttests und negativer PCR kann der Bestand unverzüglich wieder freigegeben werden, vorausgesetzt, es wurden alle Rinder älter als sechs Wochen untersucht.

Ist das Ergebnis der molekularbiologischen Untersuchung (PCR) zweifelhaft, so ist eine bakteriologische Untersuchung durchzuführen. Ist diese und eine weitere Tuberkulinprobe im Abstand von acht Wochen negativ, kann der Bestand wieder freigegeben werden. Der Abstand richtet sich dabei nach dem Zeitpunkt, zu dem das verdächtige Tier den Bestand verlassen hat.

Bei einer positiven molekularbiologischen oder bakteriologischen Untersuchung ist der Ausbruch festgestellt. Der Bestand unterliegt dann der Sperre von mindestens 16 Wochen

Flächendeckende Untersuchungen hat bisher lediglich der Landkreis Oberallgäu durchgeführt. Die Untersuchungen wurden allerdings auf 11 weitere Landkreise am Bayerischen Alpenrand ausgedehnt - darunter alle Allgäuer Landkreise. Eine unterschiedliche Herangehensweise gibt es bei beim Alter der untersuchten Tiere. Hier wurde risikoorientiert vorgegangen. Denn nach den Ergebnissen des bisherigen Tbc-Monitorings in Bayern und insbesondere entlang der Alpenkette, liegt der Schwerpunkt des Seuchengeschehens im Landkreis Oberallgäu. Daher müssen im Oberallgäu alle Rinder in einem Alter ab 12 Monate untersucht werden, in den anderen Landkreisen erst ab 24 Monaten. Keine Unterscheidung gibt es mehr, wenn es dabei positive Ergebnisse gibt: dann sind alle Tiere ab sechs Wochen zu untersuchen.

 

Rotwild

Parallel zur Untersuchung der Rinderbestände findet auch eine Untersuchung von Rotwild auf Tuberkulose statt. Ein bisheriges EU-Projekt zur Untersuchung von Rotwild auf Tbc wird als bayerisches Rotwildmonitoring am Alpenrand fortgeführt. Bisher erwiesen sich im Oberallgäu Rotwild und in einem Einzelfall auch Rehwild (und ein Fuchs) als infiziert. Es wurden auch Dachse, Murmeltiere und Gämsen untersucht, mit negativem Ergebnis. Beim Rotwild waren von 482 im Jagdjahr 2012/13 untersuchten Tieren 30 infiziert, und zwar mit dem selben Erreger wie beim Vieh (Mykobacterium caprae).

Im Jagdjahr 2013/14 wurde nun sämtliches erlegtes Rotwild, das älter als zwei Jahre war, auf Tbc untersucht. Positiv hervorzuheben ist, dass auch eine beachtliche Zahl an Rotwild der Jugendklasse von der Jägerschaft zur Untersuchung abgegeben wurde. Von 1.108 untersuchten Stück Rotwild waren 18 infiziert, davon 16 im Hegering Oberstdorf, mehrheitlich im Bereich Stillachtal/Rappenalptal. Die Tbc tritt also offenkundig nicht flächig im Bestand auf, vielmehr handelt es sich um eine Konzentration der Fälle im südlichsten Teil des Landkreises. Zusätzlich wurden auch Gämsen, Rehe, Füchse, Dachse und Murmeltiere untersucht, mit negativem Ergebnis.

Ein Erregeraustausch zwischen Rotwild und Rind kann nach aktuellsten Forschungsergebnissen mittlerweile als sicher angenommen werden.

 

Milch und Milchprodukte

Milch aus gesperrten Betrieben kann nach vorhergehender Pasteurisierung einer Verwertung zugeführt werden. Daraus hergestellte Lebensmittel sind in doppelter Hinsicht sicher: die verwendete Milch stammt ausschließlich von Tieren mit negativem Testergebnis und wird darüber hinaus einem Erhitzungsverfahren unterzogen. Diese Lebensmittel sind auch auf dem europäischen Markt frei handelbar. Bei Abgabe von Rohmilch ab Hof ist der Landwirt generell gesetzlich verpflichtet, durch ein gut sichtbares Schild darauf hinzuweisen, dass die Milch vor dem Verzehr abzukochen ist - denn Tbc kann über Rohmilch auf den Menschen übertragen werden. Die Erhitzung dient dem Schutz gegen eine Infektion mit Tbc, aber auch gegen eine Vielzahl anderer bakteriell übertragbarer Infektionen, wie z. B. "EHEC". Für die Herstellung von Rohmilchkäse darf nur Milch aus Beständen verwendet werden, die als amtlich tuberkulosefrei gelten. Wird in einem Bestand der Verdacht auf Tbc festgestellt, wird mit bereits hergestellten Rohmilchkäsen wie folgt verfahren: die Reifungszeit von Rohmilch-Hartkäse, wie z. B. Emmentaler und Bergkäse wird bis auf weiteres auf 120 Tage verlängert. Danach ist bei diesen Käsesorten die gesundheitliche Unbedenklichkeit gewährleistet. Rohmilch-Weichkäse sowie halbfester Schnittkäse werden im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes entsorgt.

Fleisch

Europaweit wird jedes Rind, dessen Fleisch für den menschlichen Verzehr gewonnen wird, einer amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung, sowie ggf. weiterführenden Untersuchungen (u. a. Laboruntersuchungen auf Keime), unterzogen. Eine Schlachtung und Weiterverwendung des Fleisches und der Innereien darf nur erfolgen, wenn keine Krankheitsanzeichen festzustellen sind und die gesundheitliche Unbedenklichkeit zweifelsfrei festgestellt wurde. Bei auf der Jagd erlegtem Wild übernimmt entweder ein entsprechend geschulter Jäger oder - der Tierarzt die Untersuchungen. Sollte der Jäger Zweifel an der Unbedenklichkeit des Fleisches haben, wird in jedem Fall ein amtlicher Tierarzt hinzugezogen, der bei Bedarf weitergehende amtliche Laboruntersuchungen durchführen lässt. Wild darf ebenfalls nur bei gesundheitlicher Unbedenklichkeit als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden.

Ansteckungsgefahr für Menschen

Die Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Sie kann bei Menschen und Tieren auftreten. Die "menschliche" Tuberkulose läuft weitgehend unabhängig von den Tieren ab, das heißt, der Mensch infiziert sich am Menschen. Die Tuberkulose beim Rind wird durch andere Erreger übertragen als die Tuberkulose beim Menschen (M. tuberculosis). Der aktuell vorgefundene Erreger M. caprae wirkt beim Menschen weniger infektiös als beim Rind. Eine Ansteckung ist dennoch nicht vollständig ausgeschlossen, auch wenn das Risiko gering ist. Im Landkreis Oberallgäu ist kein Fall einer nachgewiesenen Infektion* von Menschen mit Rindertuberkulose bekannt. Es gibt zwar aktuell zwei Fälle, bei denen Immuntests das Ergebnis erbrachten, dass Landwirte aus dem Oberallgäu irgendwann in ihrem Leben mit irgendwelchen Mykobakterien in Berührung gekommen sind - aber das heißt noch nicht, dass ein Zusammenhang mit dem derzeitigen Rinder-Tbc-Geschehen besteht. Die beschwerdefreien Patienten lassen sich vorsichtshalber mit einschlägigen Antibiotika behandeln.

 

Urlaub auf dem Bauernhof

Zum Bereich Urlaub auf dem Bauernhof bestehen vor diesem Hintergrund keinerlei amtliche Beschränkungen. Es gehört zum normalen Lebensrisiko, dass in einem - noch - nicht untersuchten Betrieb Erreger bestimmter Krankheiten vorhanden sein können. Dies gilt für alle landwirtschaftlichen Betriebe - letztlich weltweit. Im Gegensatz dazu sind die bereits getesteten Betriebe im Landkreis Tbc-frei.

 

* “Infektion”: Wenn ein untersuchtes Tier positiv auf  den Hauttest reagiert, bedeutet dies, dass sich dessen Immunsystem mit dem Erreger auseinandersetzt oder auseinandergesetzt hat, und wahrscheinlich Erreger in sich trägt; es bedeutet nicht, dass der Erreger im Tier aktuell aktiv sein muss oder gar bereits eine sogenannte “offene” Tuberkulose vorliegt. Die medizinische Behandlung infizierter Tiere ist  übrigens gesetzlich verboten - weil man nach einer Impfung infizierte Tiere nicht mehr von geimpften gesunden Tieren unterscheiden könnte.

Online-Terminvereinbarung


Zulassungsstelle



Termine Online

Service-Telefon

(0 83 21) 6 12 - 900

Fax: (0 83 21) 6 12 - 350

buergerservice@lra-oa.bayern.de
Termine Online

Service-Telefon

(0 83 21) 6 12 - 900

Fax: (0 83 21) 6 12 - 350

buergerservice@lra-oa.bayern.de